16 April 2007

Das inkontinente Tamagotchi...

...steht bei mir auf der Arbeit. Es handelt sich hierbei um eine Jura Impressa Z5, das zuwendungsbedürftigste Elektrogerät das mir jemals untergekommen ist. In der Zeit die man braucht, um dem schweizer Kaffeekasten eine Tasse des belebenden Gebräus abzuringen, hätte man auch selber die Kaffeebohnen anpflanzen, ernten, trocknen, rösten, mahlen und aufbrühen können.
Das Prozedere ist in etwa folgendes:
Die narkoleptische Kaffeemaschine (keine 10 Minuten bis zur Tiefschlafphase) schlummert friedlich im "SAVE LEVEL 2" und rechnet absolut nicht damit, dass jemand sie gleich vor die überraschende Aufgabe stellt, eine Tasse mit Kaffee zu füllen. Und die Maschine ist ein Morgenmuffel. Zuerst brummt und knarzt sie, dann wird für ein paar Minuten jeder Tastendruck mit einem missmutigen "UNIT IS HEATING" quittiert. Wenn man viel Glück hat, ist die nächste Meldung "COFFEE READY". Doch das passiert eher selten. Meistens kommt z.B. "CAPPU RINSE". Man holt also ein Plastikschälchen, stellt es unter die Zapfanlage und drückt den Pflegeknopf [sic!]. Abermals brummen, knarzen, rappeln, dann pullert das Gerät einen Fingerbreit braunes Brackwasser in das Schälchen und sagt bestenfalls "COFFEE READY". Doch das ist gelogen. Will man optimistischerweise dann Kaffee zapfen, macht das Tamagotchi "pieppieppiep" und schreibt wieder "UNIT IS HEATING". Also warten. Irgendwann kann man dann doch seinen Kaffee abholen.
Aber wehe wenn das Tamagotchi einen schlechten Tag hat. Dann wird man gar nicht erst mit "COFFEE READY" begrüßt, sondern direkt mit "TRAY EMPTY". Dann muss man den Grundwasser-Behälter leeren. Und dann geht's erst richtig los. In dichter Folge meckert das Gerät über "GROUNDS EMPTY", dann darf man den Tresterbehälter leeren, "WATER TANK FILL", "FILL BEANS", "CLEAN", "BE NICE TO ME", "SAY FRIENDLY THINGS" oder ähnliches.
Irgendwann ist die Tasse tatsächlich gefüllt, dann darf man beim ersten Schluck feststellen, dass die Milch, obwohl H-Milch, am Vortag eingefüllt und im Kühlschrank aufbewahrt, gammelig ist. Grund dafür dürfte die grandiose Konstruktion des Milchbehälters sein, der obwohl thermoskannenmäßig ausgelegt, quasi gammeln muss, da nach jedem Kaffeezapfvorgang Milch und Wasser aus der Aufschäum-Düse in den Milchtank zurücklaufen. Also flugs die Milch gewechselt, neuer Kaffee, und nach kaum einer halben Stunde ist man so weit.
Es sei denn, die Maschine verlangt "CLEAN". Dann pinkelt sie geschlagene 15 Minuten immer perfekt gezielt am untergestellten Schälchen vorbei, bis sie sich selber als sauber genug ansieht.
Ich vermute insgeheim, dass die Maschine keine Maschine ist, sondern, ganz pratchettesk, Behausung für schlecht gelaunte Imps, die nur dann Kaffee machen, wenn man regelmäßig ihren Stall sauber macht, sie füttert, und allgemein mit mit ganz viel Zuwendung bedenkt.
Einziger Pluspunkt ist, dass die Maschine unser Vokabular für den Toilettengang um einiges erweitert hat. Ich geh mal eben CAPPU RINSE machen ist einfach eine herrliche Umschreibung.

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26 Dezember 2006

Pool ist Schnullikram...

...wenn man mal Snooker ausprobiert hat. Ich meine, jeder halbwegs Billard-interessierte Mensch hat sich das schon mal auf Eurosport oder DSF angeschaut, und dachte sich – abgesehen von gewissen Regelunklarheiten – "Wie schwer kann das schon sein?".
Die Antwort habe ich letztens erfahren. Schwer. Sauschwer. Ein normaler Pooltisch hat ja so um die zwei Meter länge, der Snookertisch fühlt sich viermal so lang und breit an, ist aber de facto "nur" knapp vier Meter lang und etwas unter zwei Metern breit. Wenn man vor so einem Ungetüm steht, kommt es einem trotzdem vor als müsste er eine eigene Postleitzahl haben, so gigantisch ist er. Man meint, durch die Erdkrümmung das lange Ende des Tisches nicht mehr erkennen zu können.
Dann kommt der Mitspieler mit den Kugeln. Und schon stellt sich der nächste Schock ein: Die Dinger sind klein, viel kleiner als normale Billardkugeln, und es sind viele. Irgendwann erholt man sich von dem Schrecken, baut auf (der freundliche Mann vom Billardsalon hilft gerne wenn man mit den vielen bunten Kugeln nicht mehr weiter weiß), nimmt sich einen Queue und setzt zum Break an... und starrt entgeistert auf die Queuespitze. Denn die ist von der Zuspitzung her einem Zahnstocher nicht unähnlich. Man kreidet also das winzige Ding und versucht einen Break, der natürlich gründlich in die Binsen geht und snookert erstmal ordentlich. Soll heißen: Man plaziert die weiße Kugel so der andere keine der Kugeln halbwegs ordentlich anspielen kann, die er anspielen müsste. Dumm nur dass der Gegenspieler es irgendwie hinkriegt, einen korrekten Stoß zu schaffen, und einen noch viel besser snookert. Und dann geht das Hauen und Stechen los. Wenn man es dann tatsächlich so weit bringt, dass man einen gezielten Stoß in Richtung einer Tasche abgeben kann, dann verzweifelt man an der Tatsache, dann die Ecken der Taschen komplett abgerundet sind, und in neun von zehn Fällen die Kugel einfach irgendwohin abprallt, nur nicht ins Loch.
Das ganze ist eine unglaubliche Materialschlacht. Kurze Queues, lange Queues (Inklusive eines drei-Meter-Monstrums für die ganz unmöglichen Stöße, mittig ans lange Ende des Tisches zum Beispiel. Es zittert und wackelt dermaßen dass man Angst hat, an der Kugel vorbeizuhauen, und man hat keinerlei Vorstellung, in welcher Entfernung zueinander sich Queuespitze und Ball befinden), Schaubaufsätze, Hilfsqueues (auch Oma, Krücke oder Sticky-Icky genannt), ein eineinhalb Tonnen schwerer Tisch, fast zwei Dutzend Kugeln, ein Vollzeit-Platzwart, Elektrowägelchen um zum nächsten Stoß zu gelangen, usw. usf.
Nach mehr als einer Stunde hatten wir es dann geschafft. Alle roten Kugeln vom Tisch getilgt, nur noch die Bunten übrig, die versenkt werden wollen. Der Punktestand recht ausgeglichen, beide Spieler, wenn nicht siegesgewiss, zumindest optimistisch. Und dann geht das Foulen los und füllt das Punktekonto des Gegenspielers derartig schnell wie es in der vorhergehenden Stunde nie der Fall war. Plötzlich ist das Spiel vorbei und man fragt sich ob das nun so toll war. Und ehrlich: Es ist großartig. Im Grunde ist das ganze Unternehmen komplett bescheuert, mit unnötig kompliziertem Regelwerk und völlig falsch dimensioniertem Werkzeug, aber es macht Spaß. Wirklich. Also ich hatte über eine Stunde komplett sinnfreie Freude, und ich bin mehr als bereit für ein Rematch.

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29 Oktober 2006

Freitagabend in Kreuzberg

Eigentlich geplant als gemütliches Feierabendbier oder fünf, artete zu einem fröhlichen Stelldichein der verschiedenen Kleinkrämer aus, die uns Abos für Tageszeitungen und allerlei andere Dinge andrehen wollte.
Aber immer schön der Reihe nach.
Ich knabberte mit drei Freunden gemütlicherweise am zweiten Bier, als der erste Verkaufstross des Abends in unserer Stammkneipe aufkreuzte. Ihr Angebot: Die FAZ. Man muss dem Todesmut mit dem der eifrige Verkäufer auf unsere ausgelassene und absolut nicht intellektuell aussehende Vierergruppe zusteuerte schon einiges an Bewunderung zollen. Jedenfalls postierte er sich vor uns und spulte seine Verkaufsstory ab. Beste Zeitung Deutschlands, Saugut, wir sähen aus wie potentielle Leser, usw. Die Zwischenfrage nach Foto-Lovestories konnte ihn nicht aus dem Konzept bringen.
Jan, seines Zeichens Mainzer Jung wollte dann wissen ob die FAZ nicht eine Hessische Zeitung ist. Das verneinte der Zeitungsvertreter aber eifrig, vermutete er doch offenbar eine "Na dann nehmen wir sie nicht"-Suggestivfrage. Mehrfach nachgefragt, immer das selbe Ergebnis. Erstaunlicherweise wurde dann die von Christoph eingeworfene Zwischenfrage, ob das nicht dieses rechte Hetzblatt sei, vom offenbar mittlerweile recht verzweifelten und schon zum Gehen gewandten Krämerlein direkt bejaht, um vielleicht doch noch ein Probeabo loszuwerden. Fehlanzeige.
Daraufhin trollte er sich zu einem anderen Tisch. Kurz darauf nahm sein Kollege unseren Tisch (fälschlicherweise) als unbeackert wahr und machte sich daran, sein Programm bei uns herunterzuspulen, als er unvermittelt vom ersten Verkäufer an der Schulter aus dem Laden gezogen wurde, und zwar mit den Worten: "Nee lass mal, das ist ja wie bei Sieben Tage – Sieben Köpfe bei denen."
Also Abgang FAZ-Verkäufer, Auftritt Süddeutsche (ca. 10 Minuten, also ein Bier später). Dieser junge Herr war schon weitaus entspannter und ließ sich auch durch dumme Fragen nicht aus der Ruhe bringen. Also verlegten wir uns darauf, um eine Nichtigkeit zu Streiten, bis dem Verkäufer irgendwann der Geduldsfaden riss, er uns ein letztes Mal fragte ob einer von uns nicht ein komplett umsonstenes, sich selber nach 14 Tagen kündigendes, sowieso und überhaupt krass cooles Abo haben wolle. Nö, wollten wir aber nicht. Und dummerweise konnte ich auch meine längst abgelaufene SZ-Abo-Karte nicht finden.
Also Abgang SZ-Heini, Auftritt Polaroid-Mokel, geschätzt Indischer oder Pakistanischer Machart. "Wolle Foto?" hielt er uns eine Polaroid-Kamera aus den Sechzigern entgegen. Zwischenfrage: Werden die überhaupt noch noch hergestellt? Yep, hat eine Google-Suche ergeben. Jedenfalls hielt er uns nicht das aktuelle aber nichtsdestotrotz billig anmutende Teil ins Gesicht, sondern mehr die mit Türkis und Rosa abgesetzte Milli-Vanilli-Variante. Freudig lehnten wir ab. Freudig fragte er uns erneut. Abermals und weniger freudig verneinten wir. Ganz entschieden nicht freudig: Abgang Foto-Fuzzi.
Auftritt einer netten jungen Dame die für einen netten Billardsalon direkt um die Ecke Werbung machte, nur leider das Pech hatte, drei Grafikern einen fürchterlich Clipart-verseuchten Flyer unter die Nase zu halten. Abermals bla bla, abermals Abgang.
Was blieb:



Fällt was auf? Der Clipart-Heini hat abgesehen von seiner wirklich ungesunden Hautfarbe eine recht... eindeutige Frisur.



Jetzt klarer?
Trotzdem: Der Laden sieht nett aus, da werden wir bestimmt mal ein paar Kugeln schubsen. Das mit dem Flyer werden die bestimmt bald ändern...

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15 Oktober 2006

Was für ein seltsames Wochenende.

Aber wirklich. Das muss ich erstmal alles verarbeiten.

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04 Oktober 2006

Schade.

Habe gestern Abend wohl versehentlich meinen Basilikum mit heißem Wasser gegossen. Hat ihm nicht gefallen. Hoffentlich kommt er wieder auf die Stengel.

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26 September 2006

Aaargh... Febreze?

Am Wochenende habe ich meine Wollpullis gesichtet (jaja, der Winter kommt bestimmt) und zu diesem Anlass zwecks Entmuffifizierung eine Sprühflasche Febreze in der Geschmacksrichtung... äh... blau? gekauft. Experimentellerweise. Nach Betrachtung der Febreze-Webseite bin ich mir auch olfaktorisch retrospektiv nicht ganz sicher ob es sich um "Classic" oder "Aprilfrische" gehandelt hat. Ich war von Anfang an skeptisch, allerdings wurde mir von einem Bekannten der hier ungenannt bleiben soll (Du weißt schon wen ich meine! Dich!) eben jenes Mittelchen wärmstens empfohlen. Ich war jedenfalls skeptisch. Diese Nummer mit der magischen Geruchs-Hokus-Pokus-Verschwindibus-Nummer kam mir verdächtig vor. Ich tippte auf das Axe-Prinzip, nämlich "Hauptsache stinkt ordentlich doll". Und wie recht ich hatte. Nach versuchsweisem Einnebeln eines unschuldigen Wollpullis verbreitete sich in meinem Schlafzimmer ein penetranter Geruch, der mit "Kloreiniger" ganz gut zu charakterisieren war. Was für ein Erfolg. Der Mief hielt sich trotz intensiver Dauerlüftung bis tief in die Nacht, als ich es endlich übers Herz bzw. über die Nase brachte, mein Chemie-Versuchslabor wieder zu betreten. Fazit: Ab in die Tonne. Da nehme ich doch lieber die Mühe auf mich, die Pullis ordentlich zu waschen und nachher mit mehreren Sattelschleppern von Hamstergröße und Schichtstärke 12 cm wieder in menschliche Proportionen zu zerren...

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21 August 2005

Aaargh... Axe!

Heute hat es mich dahingerafft. Nicht im wörtlichen Sinne und auch nicht komplett, aber zumindest meine Geruchsnerven. Zum wiederholten Male. Schuld ist die Unilever AG. Klingt nach Autoreifen, aber der Geruch von vulkanisiertem Naturkautschuk ist um ein vielfaches Angenehmer als die chemischen Keulen die von der genannten Firma produziert werden.
So komme ich als bekennender Breitensportler aus der Dusche eines nicht weiter zu präzisierenden Fitnessunternehmens (hier dürfte es kaum Unterschiede geben, allenfalls Graustufen des Grauens) ahne nichts böses (eine aus humoristischer Sicht unverzichtbare Anmerkung um den Schock des ehrlich empörten Antagonisten zu unterstreichen) und eine massive Wand aus Geruch, ich bin versucht zu sagen: Gestank, schlägt mir entgegen. Und ich beinahe der Länge nach hin. Meine Geruchsnerven legen aus Notwehr einen Totalabsturz hin. AxeBacGammonRexona, wasweißich, hauptsache grauenhaft. Während ich meiner Nasenscheidewand beim kräuseln zufühle (zuhören gibts, zusehen ebenso, dann muss es auch zufühlen geben), kann ich live dem Phänomen beiwohnen dass ein Schock längst verloren geglaubte Erinnerungen von wer-weiß-wo zurückbringt:
Geruch kann man nämlich messen. Die Einheit heißt Olf. Das für sich ist zwar schon schön genug, aber es kommt noch besser. Ein Olf ist die Menge an Ausdünstungen die ein durchschnittlicher Mensch (nennen wir ihn Ulf) mit durchschnittlichen 1,8 m² Hautoberfläche ausdünstet. Allerdings nur dann, wenn Ulf durchschnittlich 0,7x pro Tag duscht/badet, täglich die Unterwäsche wechselt und einer sitzenden Tätigkeit nachgeht. Ein starker Raucher bringt bringt es auf 25 Ulf, äh Olf, und ein Athlet kommt auf 30 Olf. Um das zu überstinken muss ein Deo das kein Antitranspirant ist, also die Schweißbildung hemmt, schon massiv stinken. In meinem Fall waren das wohl an die 16 MegaOlf (MO). Genug für Hunde und empfindsamere Naturen um der Ohnmacht (Olfmacht?) anheim zu fallen. Allerdings reicht es zugegebenermaßen aus, um jegliche andere Geruchswahrnehmung zu unterbinden. Hm, vielleicht mit einer Ausnahme, dem Geruchs-GAU aus meiner Zivizeit. Nährmedium DMEM (Dulbecco's Modified Eagle Medium) mit Pilzbefall, sterilisiert bei paarundachzig Grad, dampfend warm ins Waschbecken entsorgt. Geruchsinfarkt. Nach wenigen Sekunden war ich dabei, freudig meinen gesamten Mageninhalt in den nächstgelegenen Mülleimer zu entleeren, und wenig später wurden die umliegenden Laborräume vorrübergehend entvölkert und ordentlich durchlüftet. Mein lieber Herr Gesangsverein. Der Geruch war irgendwie süßlich, würzig, wie x-fach konzentrierter Glutamatgeruch, und hat eher im Magen gewirkt als in der Nase, da aber verheerend. Geschätzte 2 TeraOlf. Da wäre auch AxeBacGammonRexona ohne Chance gewesen. Aber so auf freier Geruchsbahn reicht eine Ladung Billigdeo auf die Riechschleimhaut auch dicke aus um fast schon körperliche Schmerzen zu verursachen.

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09 August 2005

Auf der Suche nach besserem Bürokaffee

Heute hat's mich gepackt. Während ich wieder mal darauf warte, dass der Binker sein (langsames) Werk vollbringt und der obligatorische Langeweilekaffee mich in die Büroküche verschlägt. Natürlich ist der Kaffee alle. Eine Geruchsprobe an der leeren und quasi ausgespülten Kanne fördert Fürchterliches zu Tage. Kaffee aus einer Kanne die sogar restentleert nach verendetem Tier riecht kann nicht schmecken. Tut er auch nicht.
Der erste Kaffee am morgen wird netterweise vom Putzmann erstellt — nach dem Motto "je mehr Pulver, je lieber". Die Konsistenz der brackigen Flüssigkeit ist eher ölig, und der Geschmack lässt vermuten dass die Wasserquelle des erquickenden Aufgusses auch der Putzeimer gewesen sein könnte. Das sind natürlich nur Mutmaßungen. Der Kaffee ist ungemutmaßt und erwiesenermaßen fürchterlich. Man kriegt davon üblen Mundgeruch und produziert mehr Schweiß als man Flüssigkeit zu sich nimmt. Zu ertragen ist er nur mit reichlich Milch. Fettarmer H-Milch. Sicherlich, man kann sich selber Milch kaufen und in den Kaffee kippen — schmeckt wohl auch besser — aber die logistische Herausforderung, dauerhaft einen Vorrat an unvergorener Milch aufrecht zu erhalten ist einfach zu groß. Also wieder die fettarme H-Milch in die Plörre gekippt. Die Müdigkeit fordert ihren Tribut.
Besser sind die Folgekannen aber auch nicht. Schattenkaffee, laue Brühe oder Yetipisse sind nur ein paar der liebevollen Spitznamen die das drei-Löffel-pro-Kanne-Gebräu verdientermaßen trägt. Die wertvolle Hauptzutat ist — neben dem Bakteriengrundstock in der Kanne — das billigstmögliche Kaffeepulver vom Discounter der Wahl. Nichts gegen Discounter, aber Kaffee sollte nicht "Markus Mild" oder so ähnlich heißen.

Übrigens habe ich kürzlich einen Bericht über Kaffee gelesen und in den letzten zehn Jahren soll durch den Preiskrieg die Qualität des Kaffees massiv nachgelassen haben. Kann ich mir auch vorstellen angesichts der Preise zu der Kaffee (oder was man halt so nennt) mittlerweile verscheuert wird. Da verwundert es nicht, dass heute Bohnen selbstverständlich verarbeitet werden, die unlängst noch Ausschuß waren.

Wie dem auch sei. Ich stehe in der Küche und rieche an der Kanne. Bis mein Rechner das Video fertigkomprimiert hat wird wohl noch eine Weile vergehen. Also fange ich an, die diversen Kaffee-exponierten Teile der Maschine zu reinigen und die braune Patina zu entfernen.

Der Leser stelle sich hier bitte eine mit lustiger Musik unterlegte Zeitraffersequenz vor die mich betriebsam beim Schrubben der Kanne zeigt. Nun noch eine neue Charge in Auftrag geben und dabei die halbe Küche mit Kaffeepulver bepudern und dann folgt das bange Warten.

Ich gehe mir jetzt eine Tasse holen. Durchgelaufen müsste er sein...
Und die große Frage: Schmeckt er besser?

Nein.

Zum gewohnt säuerlichen und schrankartig abgestandenen Geschmack kommt eine leichte Spülinote, die aber auch nichts mehr verschlimmert. Mission failed.

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